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  <title>Nostr notes by KONTEXT:Wochenzeitung</title>
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      Die etwa 200 Plätze in der Aula sind gut gefüllt. Schülerinnen und Schüler des 12. und 13. Jahrgangs sowie einige Berufsschüler:innen sind bereit, dem US-amerikanisch-israelischen Rabbi Jeremy Milgrom zuzuhören. Auch wenn sie von ihren Lehrkräften zu dem Termin verpflichtet wurden, ist die Aufmerksamkeit groß. Als der 73-Jährige ans Mikrofon tritt, ist es mucksmäuschenstill. Milgrom, der sich gerade auf Einladung von Pax Christi Diözese Rottenburg-Stuttgart auf einer Reise durch Deutschland befindet, ist ein hochgewachsener Mann in Jeans, die Ärmel seines blau-weiß gestreiften Hemdes hochgekrempelt, keine Kippa, keine Schläfenlocken – ein Umstand, der manche Schüler:innen überrascht, wie sich später zeigt. Milgrom späht freundlich durch seine Brille, lächelt und spricht eher leise.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Aufgewachsen in den USA, lebt er seit 50 Jahren in Israel, war dort auch beim Militär. Eigentlich hatte er sich gefreut über den Umzug, erzählt er. &amp;#34;Jetzt kann ich immer hebräisch sprechen, bin unter meinen Leuten, dachte ich.&amp;#34; Doch es kam anders. Er wurde zum Friedensaktivisten, setzt sich seit Jahrzehnten ein für ein friedliches Zusammenleben mit den Palästinenser:innen.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Den Schüler:innen bringt er an diesem Morgen mit Geschichten nahe, wie die Lage in Israel zur Zeit ist. Heute, Freitag, ist der Vorabend des Schabbat, erklärt er in bedächtigem Englisch. Der Samstag sei der freie Tag für Jüdinnen und Juden. &amp;#34;Ein freier Tag in der Woche – das war vor 3.000 Jahren eine ungewöhnliche Idee.&amp;#34; Im Christentum sei es der Sonntag, im Islam der Freitag. So weit, so viel Gemeinsamkeit und gut. Doch was bedeute Schabbat in Israel im Alltag? &amp;#34;Zum Beispiel: Du kommst nicht mit dem Bus zum Strand.&amp;#34; Denn orthodoxe Parteien in der israelischen Regierung hätten durchgesetzt, dass am Schabbat keine Busse fahren. &amp;#34;Das ist natürlich schlecht für nicht-religiöse Menschen.&amp;#34; Milgrom sieht in dieser Art von Politik ein Beispiel, wie vorgeblich durch Religion eine Gesellschaft geteilt wird.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Dabei gehe es im Grunde nicht um Religion, ist Milgrom überzeugt, sondern um Macht. Er erzählt noch eine Geschichte. Einmal wollte er Beduinen Pessach erklären, den jüdischen Feiertag, der an die Befreiung der Juden aus ägyptischer Sklaverei erinnert. Nach einigem Hin und Her stellte er fest: Das mit Befreiung aus der Sklaverei fanden die Beduinen &amp;#34;crazy&amp;#34;. &amp;#34;Denn sie wohnten unterhalb einer illegalen Siedlung von extremistischen jüdischen Siedlern. Ihre Lebensrealität war und ist: oben die Juden, unten wir und es gibt kein Durchkommen.&amp;#34; Das war und ist für Milgrom Kolonialismus. Ihm seien nur zwei Wege bekannt, wie ein derartiger Zustand beendet worden sei: Entweder die Besatzer gehen, wie 1962 in Algerien nach einem blutigen Krieg mit der Besatzungsmacht Frankreich. Oder es endet wie in Nordamerika, wo die weißen Einwanderer die Indigenen nahezu ausgerottet haben.&lt;br/&gt;Jeremy Milgrom in Sindelfingen: Ein unglücklicher Rabbi
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    <updated>2026-10-13T22:00:00Z</updated>
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