„Entstanden ist das Violinkonzert in den Jahren 1903/04, mitten in einer Phase, in der Sibelius um seinen Platz in Europa rang. Finnland, damals noch unter
russischer Herrschaft, suchte kulturelle Selbstbehauptung, und Sibelius war dabei eine Leitfigur. Gleichzeitig kämpfte
er mit Zweifeln: Wollte er sich an die Moderne anlehnen, die in Wien, Paris oder Berlin für Furore sorgte? Oder wollte er seine eigene Sprache finden, aus der nordischen Stille, aus dem Mythos der Kalevala, aus der Weite der Landschaft?
Die erste Fassung des Violinkonzerts fiel durch, denn es war zu schwierig für den Geiger und zu sperrig für das Publikum. Sibelius überarbeitete seine Komposi-tion mit harter Hand und mit radikalen Strichen. Was dann 1905 in Berlin zur Uraufführung kam, ist das Werk, das wir heute kennen: ein spätromantisches Meisterstück.“