Join Nostr
2026-09-22 08:20:02 UTC

Bilal Barakat 🍉 on Nostr: ❝ Die Strategie der Unterdrücker ist, die Entrechteten zu spalten. Genau das ...

❝
Die Strategie der Unterdrücker ist, die Entrechteten zu spalten. Genau das passiert, wenn Politiker und Journalisten der Solidaritätsbewegung für Palästina Doppelmoral vorwerfen. Ein Argument, das gleich auf mehreren Ebenen falsch ist. Zunächst: Gegen welche Kriege und Marginalisierungen muss neben Palästina noch gekämpft werden, wenn Gaza für sich allein offenbar nicht genügt?

…

«Wieso nicht Sudan? Wieso nicht Kongo? Es geht um die Idee der Menschenrechte als Ganzes. Und in meiner Zeit als Aktivist haben mir Menschen aus Palästina am meisten geholfen», sagt er gegenüber dem britischen Magazin «Morning Star».

Gemäss Musavuli kreiert der Vorwurf, dass gerade für Palästina protestiert wird, einen «falschen Wettbewerb zwischen unterdrückten Menschen». «Palästina und Kongo kämpfen nicht gegeneinander um Aufmerksamkeit. Sie stehen zusammen im Zeichen des Widerstands.»

...

Natürlich ist es alarmierend, wie wenig Präsenz Länder der «Global Majority» in Schweizer Medien erhalten. Zugleich ist es zu einfach gedacht, dass die Solidarität für Palästina dieses Problem verschärft. Erinnerungen schliessen sich nicht aus, schrieb der US-amerikanische Literaturwissenschaftler Michael Rothberg bereits 2009. Sie ergänzen sich, spielen ineinander, inspirieren sich. Für Länder der «Global Majority» kann dies bedeuten, die Solidarisierung für Palästina als übersetzende Kraft für den Kampf nach Freiheit weiterer unterdrückten Menschen zu verstehen.

Und sich zu verbünden. So überrascht es nicht, wenn in der jordanischen Hauptstadt Amman Autoradios politische Lieder der verstorbenen sahrauischen Sängerin Mariem Hassan abspielen. Wenn Mosaikbilder des Felsendoms in Zimmern der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa zu sehen sind. Denn die Strukturen, die den Schrecken von Gaza möglich machen, spielen auch in Sudan, DR Kongo oder Mali. So stellt Kambale Musavuli klar: «Jede Bombe, die in Gaza fällt, hallt nach in Goma. Und jede Unze aus Kivu gestohlenes Coltan stärkt die Überwachungsmaschinerie in Palästina.»

...

«Palästinenserinnen und Palästinenser sind die Opfer von israelischer Cyberüberwachung. Doch die israelische Spyware schadet auch der afrikanischen Zivilgesellschaft. Es ist unsere Pflicht, diese Überwachung zu stoppen – in Palästina und in Afrika.» Ansonsten, so Diallo, drohe den Menschen auf dem afrikanischen Kontinent dasselbe Schicksal wie Palästina.

Das ist die Besonderheit der israelischen Unterdrückung: der Transfer menschenrechtsfeindlicher Technologien. Ihr Weg geht nicht von Goma nach Tel Aviv, von Khartum nach Jerusalem. Sondern in die entgegengesetzte Richtung: von Israel in die Welt. Das haben Menschen in Palästina verstanden. Das haben Menschen auf dem afrikanischen Kontinent verstanden. Und das sollten auch diejenigen verstehen, die als Erstes Kritik üben, wenn sich Menschen stark machen für die Rechte von Palästinenserinnen und Palästinenser in Zeiten der Zerstörung.
❞

https://www.infosperber.ch/politik/die-maer-der-heuchlerischen-palaestina-solidaritaet/